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Warum ich Rechnungswesen hasste – und plötzlich Freude daran fand

Wie ich als Student lernte, ungeliebte Fächer zu verstehen – und warum dein Umfeld dabei entscheidend ist

Der Moment, in dem nichts mehr ging

Ich sass vor meinem Rechnungswesen-Buch – und verstand nichts.

Zahlenkolonnen, Tabellen, Fachbegriffe. Seite um Seite.

Ich las, verstand vielleicht einzelne Sätze… und doch blieb nichts hängen.

Stattdessen wurde ein anderes Gefühl immer stärker:

Was mache ich hier eigentlich?

Es fühlte sich sinnlos an. Als würde ich Zeit in etwas investieren, das nichts mit mir zu tun hat. Als kreativ denkender Mensch war Rechnungswesen für mich das genaue Gegenteil von dem, was mir liegt: trocken, starr, leblos.

Ich klappte das Buch zu.

Und wusste:

So kann es nicht weitergehen.

Die entscheidende Beobachtung

Anstatt weiter gegen den Stoff anzukämpfen, begann ich zu beobachten.

Andere Studierende verstanden den Stoff scheinbar mühelos. Und das Interessante: Ich hielt sie nicht für intelligenter als mich.

Also fragte ich mich:

Was machen sie anders?

Die Antwort war überraschend einfach.

Sie waren organisiert.

Saubere Notizen. Strukturierte Unterlagen. Klare Gedanken.

Sie führten eine Agenda, waren pünktlich und wirkten ruhig und fokussiert.

Und dann fiel mir etwas auf:

Auch unser Lehrer war genau so.

Plötzlich ergab sich ein Muster.

Vielleicht liegt das Problem nicht im Fach – sondern in meinem Zugang dazu.

Ich begann, mich selbst zu verändern

Am nächsten Tag begann ich nicht mit Lernen.

Ich begann mit meinem Umfeld.

Mein Zimmer war voller angefangener Dinge – Projekte, Ideen, halbfertige Arbeiten. Überall Kreativität, aber nichts abgeschlossen.

Ich räumte alles weg.

Konsequent. Bewusst.

Bis mein Schreibtisch leer war.

Ich spitzte meine Bleistifte.

Ersetzte kaputte Kugelschreiber.

Organisierte meinen Arbeitsplatz neu.

Kleine Dinge.

Aber sie hatten eine Wirkung.

Die Veränderung kam leise

In den folgenden Wochen veränderte sich mein Alltag Schritt für Schritt.

Ich stand früher auf.

Ich ging joggen.

Ich lernte mit leiser ruhiger Musik.

Ich begann, Dinge zu Ende zu bringen.

Ich führte meine Agenda sauber.

Ich hatte plötzlich den Überblick.

Ich musste nicht mehr nachfragen, was die Hausaufgaben waren.

Gleichzeitig wurde mein Kopf ruhiger.

Weniger Chaos.

Weniger Stress.

Mehr Klarheit.

Und dann passierte etwas Unerwartetes:

Ich begann, Ordnung zu mögen.

Der Wendepunkt

Ich sass wieder vor meinem Rechnungswesen-Buch.

Die gleichen Inhalte.

Die gleichen Aufgaben.

Aber diesmal fühlte es sich anders an.

Kein Widerstand.

Ich verstand die Zusammenhänge – nicht nur logisch, sondern fast intuitiv. Die Struktur hatte plötzlich etwas Beruhigendes. Etwas Stimmiges.

Ich zog Linien, ordnete Zahlen – und es fühlte sich gut an.

In diesem Moment wurde mir klar:

Ich hatte nicht das Fach verändert.

Ich hatte meinen Zugang verändert.

Und genau dadurch entstand etwas Neues:

Freude.

Was ich später an der Universität verstand

Diese Erfahrung begleitete mich weiter.

In Chemie, Physik, Mathematik – aber auch in Sprachen.

Ich begann zu erkennen:

Jedes Fach hat seine eigene Denkweise.

Für Französisch liess ich oft Radio im Hintergrund laufen. Anfangs verstand ich kaum etwas – doch langsam adaptierte ich die Melodie und entwickelte ein Gefühl für die Sprache.

Ich strukturierte meine Tage:

  • Am Morgen: analytische Fächer
  • Am Nachmittag: leichtere Inhalte
  • Am Abend: kreativere Fächer

Lernen wurde nicht mehr zum Kampf.

Es wurde zu einem Rhythmus.

Warum „nur Stärken fördern“ zu kurz greift

Und tatsächlich: Darin liegt auch etwas Wertvolles.

Wer sich auf das fokussiert, was ihm liegt, erlebt schneller Fortschritt, Selbstvertrauen und Motivation.

Doch genau hier entsteht eine Grenze.

Denn wenn wir ausschliesslich in diesem Bereich bleiben, vermeiden wir oft genau jene Themen, die uns herausfordern – und an denen wir wachsen könnten.

Die entscheidende Fähigkeit liegt deshalb nicht nur darin, seine Stärken zu nutzen,

sondern auch darin, für zunächst fremde oder schwierige Dinge einen Zugang zu entwickeln.

Wachstum entsteht nicht nur dort, wo es leicht ist –

sondern auch dort, wo wir lernen, uns etwas anzunähern, das uns anfangs nicht entspricht.

Stärken geben dir Momentum – aber Wachstum beginnt dort, wo du lernst, Zugang zu deinen Schwächen zu finden.

Was ich daraus gelernt habe

👉 Motivation kommt nicht zuerst

Sie entsteht oft erst beim Tun.

👉 Der Zugang ist entscheidend

Nicht das Fach ist langweilig – sondern oft unsere Perspektive darauf.

👉 Ordnung schafft Klarheit im Kopf

Ein strukturierter Alltag verändert, wie du denkst und lernst.

👉 Kleine Veränderungen haben grosse Wirkung

Ein aufgeräumter Tisch kann mehr bewirken als stundenlanges Grübeln.

👉 Freude kann entstehen

Auch bei Dingen, die du am Anfang ablehnst.

Das Prinzip des intrinsischen Momentums

Am Anfang steht Widerstand.

Dann kommt ein kleiner Fortschritt.

Ein Moment von Verständnis.

Ein kleines Erfolgserlebnis.

Und plötzlich:

Es beginnt sich zu tragen.

Wie ein Rad, das langsam ins Rollen kommt.

Das ist intrinsisches Momentum.

Und wenn es einmal da ist, wird Lernen nicht mehr zur Pflicht.

Sondern zu etwas, das dich von innen heraus antreibt.

Zum Schluss

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis:

Du musst nicht darauf warten, dass dich etwas interessiert.

Du kannst lernen, dich dafür zu interessieren.

Und oft beginnt genau das mit etwas ganz Einfachem:

Mit deinem Umfeld.

Ein klarer, ruhiger Ort zum Leben und Lernen kann den Unterschied machen – gerade im Alltag als Student.

Ob in einer Wohngemeinschaft oder in einem möblierten Zimmer:

Der Raum, in dem du lebst, beeinflusst stärker, wie du denkst, als du vielleicht glaubst.

Und manchmal ist genau das der erste Schritt, um nicht nur besser zu lernen –

sondern wieder Freude daran zu finden.

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